“Für bessere Gesundheit und gegen Einsamkeit” – KOKO-Teammitglied macht Ein-Tages-Praktikum im Seniorenzentrum

Mit 49 Jahren ein Praktikum? Und dann auch noch in einem Seniorenzentrum? Als ich morgens vor der Tür des Otto-Zillessen-Haus stehe, ist mir flau im Magen. Was wird auf mich zukommen? Was werde ich erleben? Wird es ein trauriger Tag? Viele Fragen! Und eine Geschichte mit vielen Antworten.

Morgens um 9 Uhr: Mein Tag beginnt in der Tagespflege. Nach und nach trudeln die Senioren ein, die diesen Dienst nutzen. Los geht’s mit einem freundlichen “Hallo” und einem schmackhaften Frühstück. In gemütlicher Runde tauscht man sich zunächst über die Dinge des Alltags aus. Manche Tagespflegegäste kommen täglich, andere an zwei oder drei Tagen. So auch Christel Frenken (88) aus Lürrip und Erika Schagen (83) aus Hehn. Die eine wird zuhause vom Ehemann, die andere von der Tochter betreut. Für beide Angehörigen sei aber gut, mal eine Auszeit zu bekommen: “Meine Tochter will auch mal was mit ihren Freundinnen unternehmen, und wenn es nur mal ein schneller Cafe-Besuch ist. Oder einkaufen oder putzen, wenn die Alte nicht im Weg rumsitzt”, scherzt Frau Schagen. Beide Damen kämen gerne in die Tagespflege, weil sie die Gemeinschaft lieben, sich freuen, bekannte Gesichter zu sehen und dass es zahlreiche Angebote gibt, verraten sie im Gespräch.

Nach dem Frühstück steht heute ein Tanz-ABC um 10 Uhr auf dem Programm. “Man kann die Programmpunkte wahrnehmen, man muss aber nicht”, sagt Erika Schagen dem StadtSpiegel-Chronisten. “Ich könnte auch etwas lesen oder im schönen Garten die Sonne genießen. Das ist ja das wunderbare hier an der Tagespflege: vieles kann, nichts muss”. Das kann Elke Carl, die verantwortliche Pflegekraft, nur bestätigen: “Tagesüber sind unsere Senioren bestens versorgt und abends sind sie wieder zuhause in ihren geliebten vier Wänden. Man verbringt gemeinsam den Tag und hat Geselligkeit, Abwechslung und Unterhaltung”. Die Tagespflege sei ein guter Ort für eine bessere Gesundheit und gegen Einsamkeit, so Frau Carl.

Das Programm in der Tagespflege ist vielseitig. Man kocht gemeinsam Marmelade und Herzkartoffeln. Es gibt Rätsel- und Musikrunden, Bewegungsgeschichten oder eine Fantasiereise. Auch Singstunden und Gedächtnistraining stehen auf dem Programm. Ich als Praktikant beschäftige mich mit den Menschen, lese und unterhalte mich mit Ihnen. Für die “richtige” Begleitung sind Expertinnen stets zur Stelle: Pflegefachkräfte und Alltagsbegleiterinnen wie Elke Staak: “Ich mache mit den Damen und Herren heute ein Tanz-ABC. Da kommen wir schnell ins Gespräch über Erinnerungen aus der Jugendzeit, Tanzstunden und Tanzcafés. Das wird immer schön”. Tagespflege-Plätze sind in der Region rar gesät, umso mehr freue man sich, noch einige wenige Plätze anbieten zu können, berichtet Elke Carl.

Nach der Mittagspause in der schmucken Cafeteria treffe ich auf dem geschützten Wohnbereich den 18jährigen Atakan Atasever, Azubi im Praktikum. Im zweiten Lehrjahr wirkt er begeistert. “Mein Lehrer hat mir damals vom Altenpflegerberuf abgeraten. Fand ich schade, finde ich immer noch schade, denn: Ich fühle mich sehr wohl in meiner Haut. Immer im Kontakt mit Menschen und Tag für Tag ist vieles immer neu”. Was man für Eigenschaften bräuchte, um in diesem Job bestehen zu können, frage ich ihn: “Flexibilität, Hilfsbereitschaft, Humor und ein gewisses Maß an Toleranz und Akzeptanz bringe ich mit. Arbeiten an Wochenenden und Feiertagen, Schichtdienst, Einfühlungsvermögen und Geduld sind auch wichtig. Am Ende muss man auch mit Scham umgehen können, man braucht eine ruhige Ausstrahlung und muss am Feierabend auch abschalten können”, rät Atakan. Sagt’s und wendet sich einer alten Frau zu, die nur im Bett liegt und nicht mehr spricht. Die Pfleger haben die alten Dame in einem Liegebett in den Aufenthaltsbereich gebracht, damit sie vom Leben im Seniorenhaus auch etwas mitbekommt.

Auf einer anderen Etage komme ich bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch mit einem Herrn, der in Schlesien geboren wurde und nach dem Krieg mit seinen Eltern in die Textilstadt Mönchengladbach kam. Sein Vater fand hier eine gute Arbeit. Heute ist er 88 Jahre jung und gerne hier im Seniorenheim. Natürlich habe es ihm Leid getan, seine Wohnung verlassen zu müssen, aber schlußendlich fühle er sich hier sehr wohl und vor allem sicher. Seit einem Unfall ist er halbseitig gelähmt und benötigt tägliche Unterstützung. Gegen 16 Uhr ist mein Dienst im Seniorenheim beendet und ich gehe glücklich in den wohlverdienten “Praktikanten-Feierabend”.

Info: Seniorenzentrum Otto-Zillessen-Haus, Ludwig-Weber-Str. 13, 41061 MG, Tel.02161.81040, Email: ozh@diakonie-mg.de, www.diakonie-mg.de